Die beiden Dörfer Großziethen und Kleinziethen auf dem Teltow – Teil 4

Die beiden Dörfer Großziethen und Kleinziethen auf dem Teltow – Teil 4

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 Im Jahre 1881, da hatte die „einklassige“ Schule in Großziethen bereits eine Schüler zahl von 140, gegenüber 47 Schülern im Jahre 1847. So wurde 1882 eine weitere, zweite Lehrerstelle bewilligt und eingerichtet. 1890 dann, nach dem Tode von Major Buttlar-Brandenfels, da erwarb schließlich der Ritterschaftsrat Keller beide Güter! Doch schon zwei Jahre später, im Jahre 1892, ver äußerte der Ritterschaftsrat Keller das Gut in Kleinziethen, an die Gemeinde Steglitz. Und so war die Folge, dass Kleinziethen 1920 bei der Großberliner Eingemeindung, Eigentum der Stadt Berlin wurde (gehört noch heute, nach der Rückübertragung, den Berliner Stadtgütern).

Im Jahre 1904 erwarb dann der Kommerzienrat Gilka das Gut Großziethen. Da in den Folgejahren das 1862 erbaute Schulhaus wegen steigender Schülerzahlen zu klein wurde, beschloss der Großziethener Gemeindekirchenrat am 29. Oktober 1907 ohne eine Gegenstimme, auf dem Grundstück neben dem Pfarrhaus, das Grundstück zu erwerben, um am Spandauer Weg, oder auch „Krugende“ genannt (heutiger Friedhofsweg), ein neues, größeres Schulgebäude zu errichten.

 Dieser starke Schülerzuwachs war dem Verkauf von Bauparzellen, genau am Stadtrand von Berlin geschuldet. Hier im nördlichen Teil Großziethens, hin zur Berliner Stadtgrenze von Berlin-Buckow entwickelte sich nach und nach eine beliebte „Villenkolonie“ durch Landverkäufe der Großbauern Warner und Tschirsch. Jedoch hatten diese Neusiedler einen beschwerlichen Weg von der Endhaltestelle der Straßenbahn in Berlin-Britz (Linie 27), Ecke Triftstraße, zu Fuß zurückzulegen. Für den Grundstückserwerb mussten 4.000 Mark je Morgen, auf den Tisch gelegt werden.

 In der Kirche von Großziethen erinnert noch heute eine Tafel mit 35 Namen an diese Opfer. Der 1. Weltkrieg brachte auch den Verlust beider Kirchenglocken mit sich. Diese wurden damals für Kriegszwecke eingeschmolzen, nachdem diese in Britz auf einem zentralen Sammelplatz, abgeliefert wurden. Ein Kaiseropfer, so hieß es! Einzig verblieb bis ins Jahr 1919, die kleine Kirchenglocke auf dem Kirchturm, bis im gleichen Jahr noch, einen neuen Glockenstuhl mit drei neuen Stahlglocken, erhielt. Diesen Glocken gaben die Großziethener die Namen: „Glaube, Hoffnung und Liebe!“ Eine Inschrift lautet: „In dunkelster Zeit des Vaterlandes stiftete die Liebe der Gemeinde Großziethen dieses Geläut.“ Gerd Kretschmer

Altes Schulhaus von 1862
Neues Schulhaus um 1900